Dieser Artikel gibt einen Überblick zum Baumschnitt. Er beantwortet anhand von Bildern und einem Video die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt des Baumschnittes, die Wahl der richtigen Werkzeuge, welche Äste wie geschnitten werden, und er informiert über die Wundheilung. Die Tipps kommen von den Profis Wolfgang Weingerl und Johannes Marek.

Warum ist der Baumschnitt so wichtig?

Der Baumschnitt fördert den Ertrag und die Gesundheit des Baumes

Obstbäume benötigen Pflege. Mit dem Baumschnitt wird generell die Vitalität des Baumes gefördert. Aber auch Krankheiten und Schädlingsbefall werden durch einen solchen verhindert. Ziel des Baumschnittes ist es, nicht nur das Wachstum und die Gesundheit des Baumes zu fördern, sondern auch den Ertrag mit gesunden Früchten zu erhöhen.

Der richtige Zeitpunkt für den Baumschnitt

Herbst und Frühjahr sind Schnittzeit

Der ideale Zeitpunkt für den Baumschnitt ist der Spätherbst (Oktober, November) oder das Frühjahr (März, April). Da der Baum zu diesen Zeiten kein Laub trägt, kann man leichter beurteilen welche Äste zu entfernen sind. Die meisten Steinobst-Sorten hingegen wird im Sommer oder Spätsommer geschnitten. Der Obstbaumschnitt wirkt sich positiv auf das Wachstum des Baumes und den Fruchtertrag aus. Selbst die Zwetschke verträgt einen Schnitt.

Das richtige Werkzeug für den Baumschnitt

Werkzeuge, die eine glatte Schnittfläche erzeugen

Das richtige Werkzeug für den Baumschnitt sind die Baumschere, eine Handsäge und die Bügelsäge. Eine gute Baumschere ist ab 40 Euro erhältlich, gute Sägen kosten zwischen 40 und 60 Euro. Mit beiden soll ein glatter Schnitt möglich sein, da sonst der Baum zu stark verletzt wird. Bei den Scheren wird der Bypassschere aus Leichtmetall der Vorzug gegeben.  Ihr Verschluss soll zudem mit einer Hand leicht bedienbar sein. Die Bügelsäge sollte über Dreiecks- oder Hobelzähne verfügen. Das gewährleistet ein ermüdungsfreies Arbeiten.

Vom Baumschnitt mit der Motorsäge ist abzuraten, da man mit dieser dem Baum zu starke Wunden beifügt, ihn auch leichter an nicht gewollten Stellen verletzt. Außerdem gelangt man mit der Motorsäge nur schwer an die zu schneidenden Äste.

Die richtige Herangehensweise an den Baumschnitt

Überblick verschaffen

Da durch den Baumschnitt die Arten typische Kronenbildung und eine Frucht tragende Wuchsform angestrebt wird, verschafft man sich zu Beginn einen Überblick des Ist-Zustandes. Vom Boden aus wird der zu schneidende Baum begutachtet, werden Wasserschossen oder alte, zu entnehmende Äste ausgemacht. Erst dann beginnt man mit dem Baumschnitt.

Welche Äste werden geschnitten?

Mit einer Baumschere werden Äste geschnitten

Welche Äste soll man entfernen?

Kreuzen sich Äste oder liegen sie übereinander, gehören diese entfernt. Sie behindern sich gegenseitig in ihrem Wachstum und der Fruchtbildung.  Auch gehören Äste, die stark nach unten oder ins innere der Krone wachsen, geschnitten.

Prinzipiell gilt: Der Charakter eines Baumes soll durch den Schnitt zum Ausdruck kommen. Kürzt man die Äste zu stark ein, reagiert der Baum mit Wassertrieben.

Übereinander liegende Äste

Zweige und Äste, die übereinander wachsen, gehören auf jeden Fall entfernt. Bildet sich auf diesen nämlich Frucht, dann liegen auch die Früchte zu eng aneinander, sodass es zur Fruchtfäule kommt. Zudem behindern sich die übereinander liegenden Äste generell in ihrer Fruchtbildung. Sie werden wenig Ertrag bringen.

Beispiele für den richtigen Baumschnitt

Wassertriebe entfernen

Wassertriebe oder Wasserschossen gehören generell entfernt. Diese drei Wassertriebe auf dem Foto, die direkt vom Starkholz austreiben, müssen entfernt werden.

Fruchtmumien entfernen

Als Fruchtmumien bezeichnet man vertrocknetes Obst vom Vorjahr, das am Baum geblieben ist. Dieses muss ebenfalls entfernt werden, denn die alten Früchte stellen den idealen Nährboden für Pilzinfektionen und Krankheiten dar. Aus diesem Grund soll man Obstbäume auch immer komplett abernten.

Der richtige Schnitt-Ansatz

Die Äste werden über dem Astring abgeschnitten. Der Astring ist eine verdickte Stelle am Ansatz des Stammes. Der Schnitt selbst wird dabei gerade gesetzt, und soll glatt sein. So kann die Wunde rasch verheilen.

Die saubere Schnittfläche

Das Foto zeigt eine saubere Schnittfläche. Selbst bei großen Schnittflächen ist eine Behandlung  mit einem Wundverschlussmittel nicht nötig. Wichtig ist nur, dass die Wunde abtrocknen kann.

Der falsche Schnitt

Dieses Foto zeigt ein dürres Aststück, das vom letzten Baumschnitt übrig blieb. Der damals vorhandene Ast wurde falsch abgeschnitten. Richtig wäre es gewesen, den Schnitt direkt über dem Astring anzusetzen.

Die Wundheilung

Generell vermag der Baum seine Wunden durch den Schnitt selbst zu heilen. Voraussetzung dafür, die Schnittwunde muss trocknen können. Das Foto zeigt eine solche Schnittwunde, die ordentlich verheilen konnte.

Der Einsatz der Säge bei stärkeren Ästen

Sobald die Äste stärker sind, sollte man diese mit einer Säge oder Bügelsäge entfernen. Würde man stärke Äste mit einer Gartenschere entnehmen, würde der Ast nur gequetscht werden. Gequetschte Schnitte beschädigen jedoch den Baum und stellen eine Eintrittspforte für Pilze und Krankheiten dar.

Der Einsatz der Baumschere bei dünnen Ästen

Dünne Äste werden mit einer Baumschere entnommen. Dafür eignen sich einseitige Scheren aus Leichtmetall wie die Bypassschere. Sie ermöglicht einen glatten Schnitt. Die häufig in Verwendung befindlichen Ambossscheren (Gartenschere) quetschen hingegen den Ast und verletzten den Baum dadurch unnötig. Dünne Äste dürfen auch nicht abgerissen oder geknickt werden, da eine solcher Abriss den Ast nur ausfranst. Wichtig auch bei kleinen Zweigen ist der glatte Schnitt.

Video zum Obstbaumschnitt mit Wolfgang Weingerl